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Freundschaft mit Schnecken - was man kennt ärgert einen weniger!

Haben Sie schon einmal eine Schnecke so richtig von nahem betrachtet? Bei meinen Recherchen über Schnecken habe ich gemerkt, dass ich eigentlich gar nicht so viel über Schnecken weiss.

Vielfalt der Schnecken

Schnecke ist nicht gleich Schnecke, es gibt Schnegel (teilweise auch als Egelschnecke benannt), Wegschnecken, Ackerschnecken, Bänderschnecken, Schnirkelschnecken, Baumschnecken... wer jetzt neugierig geworden ist, kann sich auf der Website über Weichtiere von Robert Nordsieck ausführlich informieren!
Eine kurze Übersicht über die wichtigsten Arten erhalten Sie weiter unten.

Schneckenhochzeit

Liebesleben und Vermehrung der Schnecken

Die Schnecken, welche wir in unseren Gärten oder in der freien Natur üblicherweise antreffen sind Zwitter (Hermaphroditen). Sie haben ein Organ mit männlichen, weiblichen und zwittrigen Teilen. Sie haben eine Keimdrüse, die Eizellen und Samenzellen herstellt. Damit die Schnecke aber ihre Eier nicht selbst befruchtet, werden Eizellen und Samenzellen nie zur gleichen Zeit produziert.
Während der Paarung drücken die Schnecken die Körperunterseiten aneinander (Fuss) und richten sich so auf. Das sieht man recht schön bei den Weinbergschnecken. Dann stossen sie sich gegenseitig den sogenannten Liebespfeil in die Körperunterseite.

Nach der Befruchtung legen die Schnecken die weissen, ungefähr Stecknadelkopf grossen Eier in Erdlöcher, welche sie zuvor mit Hilfe des Fusses selber ausgehoben haben.

Viele Nacktschnecken sterben im Herbst nach der Eiablage. Einige verkriechen sich im Boden bis das Wetter wieder wärmer wird. Aus den Schneckeneiern schlüpfen dann im Frühjahr wieder junge, gefrässige Schnecken.

Schneckenhochzeit bei der Weinbergschnecke

Atmung, Augen und Tastsinn

Eine Schnecke hat nur auf der rechten Seite ein Atemloch. Diese Atemöffnung befindet sich je nach Schneckenart weiter vorne oder hinten.
Schnecken haben kein Gehörorgan, sind also taub. Dafür haben sie einen ausgeprägten Geruchs- und Tastsinn. Schnecken sehen nur schlecht - und erst noch nur schwarz-weiss.

Die meisten Schnecken haben 4 Fühler, ein Paar kurze und ein Paar lange Fühler. Am Ende der langen Fühler sitzen die Augen.
Mit dem besonders guten Geruchs- und Geschmackssinn der Schneckenfühler findet die Schnecke ihre Nahrung.

Die 2 Fühlerpaare der Weinbergschnecke (Helix pomatia)

Gehäuse - Schutz vor dem Gefressenwerden

Kennen Sie die Redewendungen "jemanden zur Schnecke machen" oder "sich ins Schneckenhaus verkiechen"?
Wer so richtig fertig gemacht wird, der verzieht sich ganz gerne mal, um in Ruhe seine Wunden zu lecken - ganz wie die Schnecke eben!

Das Gehäuse dient der Schnecke als Schutz vor Austrocknung und vor dem Gefressenwerden. Schnecken ohne Gehäuse haben dafür einen klebrigen Schleim, der zusätzlich auch noch bitter schmeckt und so möglichen Frassfeinden den Appetit verdirbt.

Alle Schnecken hatten ursprünglich einmal ein Gehäuse, welches sich aber bei einigen Arten im Laufe der Evolution zurückbildete. Ein letztes Überbleibsel ist bei den Nacktschnecken noch der sogenannte Mantelschild.

Ernährung

Alle Schnecken haben einen halbringförmigen Kiefer mit einer Raspelzunge (Radula), welche ungefähr 200 Zähnchen hat. Das Fressgeräusch der Weinbergschnecke soll sogar für uns hörbar sein!

Schnecken fressen zarte Pflanzen, Algen, Pilze, teilweise Aas oder sogar lebende Tiere wie Regenwürmer, manche fallen auch über Artgenossen her.
Gehäuseschnecken benötigen ausserdem genügend Kalk in der Ernährung, damit das Gehäuse schön stabil wird und um den Deckel für die Überwinterung zu produzieren.

Fortbewegung

Schnecken bewegen sich mit einem sogenannten Kriechfuss vorwärts, das ist die glatte und schleimige Unterseite der Schnecke. Mittels der Muskeln am Bauch der Schnecke macht sie wellenförmige Bewegungen. Diese gehen vom Schwanzende bis zum Kopf.

Schneckenhäuser - den Schneckenkönig suchen

Blaublütige Schnecken? Was ist ein Schneckenkönig?

Alle Gehäuseschnecken haben ein sogenannt rechsdrehendes Gehäuse. Die Spirale dreht sich also von innen her im Uhrzeigersinn und wenn das Schneckenhäuschen mit der Spirale nach oben liegt, dann ist die Hausöffnung rechts unten. Das ist der Normalfall.

Ganz selten einmal kommt es aber vor, dass eine Schnecke ein linksdrehendes Gehäuse hat. Das soll bei den Weinbergschnecken z.B. nur ungefähr bei jeder 10'000ten bis 1 Millionsten Schnecke vorkommen. Weil so ein Schnecke also etwas ganz Besonderes ist, wird sie als Schneckenkönig bezeichnet und soll dem Finder Glück bringen.
Übrigens sind bei Schneckenkönigen auch alle inneren Organe seitenverkehrt platziert. Deshalb kann sich das königliche Geschlecht auch fast nicht fortpflanzen.

Tigerschnegel (Limax maximus)

Tigerschnegel

Der Tigerschnegel (Limax maximus) gehört zu den wirklich grossen Schnecken und kann ohne weiteres 15cm lang werden! Da er aber nicht ganz so oft vorkommt, trifft man ihn selten im Garten. Ich habe auf einer Wanderung ein schönes Exemplar gesehen. Die Musterung ist absolut faszinierend! Bei dieser Schnecke sieht man noch deutlich den Mantelschild, welcher noch ein Überrest des früheren Gehäuses ist.

Weitere Schnegel sind: der Schwarze Schnegel (Limax cinereoniger), der Baumschnegel und weitere, kleine Schnegelarten.
Schnegel sind etwas schlanker und haben einen deutlich sichtbaren Rückenkiel.

Schwarzer Schnegel (Limax cinereoniger)

Schwarzer Schnegel

Der Schwarze Schnegel (Limax cinereoniger) fällt durch seine dunkle Färbung, seine Grösse und die auffällige Streifenmusterung sofort auf. Er ist die grösste Schnecke in Europa und wird bis 20cm lang.
Erwachsene Tiere haben auf jeden Fall einen sogenannten Aalstrich, d.h. sie haben einen klar erkennbaren Rückenkiel in meist heller Färbung. Die Färbung und Musterung ist nicht bei allen Schwarzen Schnegeln gleich.

Der Schwarze Schnegel ist ein Waldbewohner.

Wegschnecke

Spanische Wegschnecke

Diese Nacktschnecke lehrt manchen Gärtner das Fürchten. Eigentlich stammt die Spanische Wegschnecke (Arion vulgaris, früher und teilweise auch heute noch irrtümlich als Arion lusitanicus bezeichnet) wie der Name schon sagt aus Südeuropa und wurde wahrscheinlich mit Pflanzenimporten eingeschleppt.
Wieso ist diese Schnecke so viel schlimmer als die gewöhnliche, einheimische Wegschnecke?
Als Südländerin ist die Spanische Wegschnecke perfekt auf trockenes Wetter eingerichtet. Das heisst, sie produziert viel mehr Schleim, welcher ihr ermöglicht auch noch in trockenen Perioden gut vorwärts zu kommen.
Sie bewegt sich viel flinker vorwärts: ihr Kriechtempo beträgt ungefähr 5-9 Meter in der Stunde.
Sollte es doch mal zu heiss sein, macht sie eine typisch südländische Siesta und sucht sich ein Plätzchen im kühlen Schatten.
Weil sie so stark schleimig ist und dazu noch besonders bitter schmeckt, verzichten viele der üblichen Frassfeinde von Schnecken lieber auf den Genuss einer Spanischen Wegschnecke.
Die Spanische Wegschnecke ist sehr vermehrungsfreudig und legt bis 400 Eier (verteilt in Klümpchen von je 20-30 Eiern), unter optimalen Bedingungen sogar zwei Mal pro Jahr.
Die Spanische Wegschnecke ist beim Futter nicht wählerisch: Pflanzen, Fäkalien, Aas, andere Schnecken (z.B. die Weinbergschnecke (Helix pomatia) und selbst Artgenossen werden verspiesen.
Der Schleim ist stark bakterienhaltig und verschleimtes Gemüse sollte nicht gegessen werden.

sehr wahrscheinlich eine Spanische Wegschnecke - hier sieht man das Atemloch sehr gut!

Rote Wegschnecke

Es ist sehr schwierig, die Spanische Wegschnecke (Arion vulgaris) von der gewöhnlichen einheimischen Wegschnecke (Arion rufus) zu unterscheiden. Gemäss Fachleuten ist eine absolut sichere Bestimmung nur mittels Sezierung am toten Tier möglich.
Die Grosse Wegschnecke (Arion rufus) liess sich von ihrer spanischen Verwandten vertreiben und gilt unterdessen teilweise als gefährdet und steht auf diversen Roten Listen (Bayern als "gefährdet", Baden-Württemberg Vorwarnliste).

Ackerschnecke

Die Ackerschnecken gehören zu den sogenannten Kleinschnegeln. Sie haben einen guten Appetit und deshalb zählen die meisten Ackerschneckenarten zu den Schädlingen, z.B. die Genetzte Ackerschnecke (Deroceras reticulatum, teilweise auch als Netz-Ackerschnecke oder Graue Ackerschnecke benannt). Diese Schnecke ist ganzjährig aktiv und kann im Garten grossen Schaden anrichten.
Die frisch geschlüpften jungen Ackerschnecken sind nur wenige Millimeter gross und fast durchsichtig.

Weinbergschnecke (Helix pomatia)

Weinbergschnecke

Die Weinbergschnecke (Helix pomatia) kennt wahrscheinlich jedes Kind - und das ist heute gar nicht mehr so selbstverständlich, denn diese Schnecke wurde und wird auch sehr gerne gegessen. Teilweise ist sie so selten, dass die Weinbergschnecke in der Schweiz z.B. in den Kantonen Bern, Basel und St. Gallen unter Schutz steht.
Für den Verzehr wird die Weinbergschnecke heute in sogenannten Schneckenzuchtfarmen gezüchtet.

Die Weinbergschnecke verzieht sich Anfang Winter in ihr Gehäuse und verschliesst dieses mit einem Deckel. Im Frühjahr drückt sie diesen Deckel beim Ausschlüpfen wieder weg. Teilweise verspeist sie ihn auch gleich noch, um genügend Kalk für das Wachstum des Gehäuses zu haben.

Gehäuse der Hain-Bänderschnecke (Cepaea nemoralis)

Bänderschnecke

Als Kind haben sie mich fasziniert: ich sammelte sie in Grossmutters Garten ein und veranstaltete Schneckenrennen oder machte Schneckenzirkus. Mir gefielen ihre hübschen Häuschen in vielen Farben und Musterungen. Und auch heute noch kann ich auf Spaziergängen nicht widerstehen, die schönen leeren Häuschen zu sammeln.

Für mich hiessen diese Schnecken schlicht "Hüslischnägge" und erst heute weiss ich, dass es sich dabei um die sogenannten Bänderschnecken handelte.
Von den Bänderschnecken (sie gehören zu den Schnirkelschnecken) gibt es in Europa vier Arten. Die sogenannte Hainbänderschnecke (Cepaea nemoralis) und die Gartenbänderschnecke (Cepaea hortensis) sind am meisten verbreitet.
Die beiden Arten unterscheiden sich durch die Färbung der Lippe (das ist der Rand der Gehäuseöffnung). Diese Lippe ist bei der Hainbänderschnecke dunkel und bei der Gartenbänderschnecke hell gefärbt. Das gilt allerdings nur für erwachsene Tiere, junge Schnecken haben noch eine weiche Schalenöffnung, welche auch noch nicht die fertige Färbung hat.

Diese Schnecken gibt es in vielerlei Farben: gelb, rosa, braun, ohne und mit Band, mit einzelner oder mehrfacher Bänderung.

Bänderschnecken werden sehr gerne von Vögeln gefressen, z.B. von der Singdrossel aber auch Elstern oder Amseln. Die Singdrossel fliegt mit der Schnecke zu einem Stein, auf welchem sie die Schale zertrümmern und die Schnecke fressen kann. Ist der Stein gut geeignet, kommt die Drossel immer wieder hierher und man findet zahlreiche zertrümmerte Schneckenhäuser rund um den Stein. Dieser wird darum auch als "Drosselschmiede" bezeichnet.

Schneckenhäuser der Hainbänderschnecke

Baumschnecke (Arianta arbustorum)

Baumschnecke

Diese Schnecke fällt vor allem durch ihren dunklen, fast schwarzen Körper auf.
Das Gehäuse der Baumschnecke (Arianta arbustorum) ist oft leicht behaart und dunkel gefärbt mit gelblichen Flecken.

Gehäuse der Baumschnecke (Arianta arbustorum)