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Ein Nachmittag im Paradiesgarten

Maison Robert

Es ist ein sommerlich warmer Nachmittag im Juni im Jura. Die Grillen zirpen und in der Hecke leuchtet eine wunderschöne weisse Heckenrose. Ich besuche im Rahmen einer Veranstaltung der Volkshochschule das Haus und den Garten der Künstlerfamilie Robert im Joran in Orvin (Jura/Schweiz).

Mehr und grössere Fotos finden Sie hier auf Flickr oder auf Facebook ansehen

Es sind noch nicht alle TeilnehmerInnen eingetroffen, so habe ich Zeit für einen kleinen Spaziergang durch den Garten, für ein paar Fotos und ein Gespräch mit Sébastien Mercier, der zusammen mit Emilie Burkhalter einen Teil des Hauses als Mieter bewohnt. Zu den Mieterpflichten gehören die Führungen und – zusammen mit den Mitgliedern des Vereins Haus Robert im Jorat – auch die Pflege von Haus und Garten.

Unter einem Birnbaum sind Tische und Bänke aufgestellt. Hier führt uns Frau Burkhalter in die Geschichte des Hauses und der Künstlerfamilie Robert ein.

In drei Generationen gab es sechs Künstler. Das Haus im Jorat erbaute Léo-Paul Robert 1907. Hier verbrachte er mit seiner Familie die Sommermonate, genoss die grosse Vielfalt der Natur, forschte und malte.

Neben Landschaftsbildern entstanden vor allem viele Bilder von Raupen, welche er direkt vor dem Haus im wilden Garten auf den Pflanzen oder auf Exkursionen fand. Es gab sogar eigentlich Raupen-Volièren, die aussen vor dem Fenster befestigt waren. So konnte er die Raupen durch das Fenster beobachten und malen. Zum Füttern der Raupen musste man nur das Fenster öffnen.
Léo-Paul Robert malte mehr als 500 Raupen-Aquarelle!

Akeleiblättrige Wiesenraute

Der Garten ist eine sorgfältige Mischung aus Hegen und Wachsen lassen der meist wilden Pflanzen. Hier wachsen die akeleiblättrige Wiesenraute, wilde Narzissen und viele Orchideenarten wie das Knabenkraut.
Wir spazieren durch den Garten zum Weiher. Der grosse Naturteich wurde letztes Jahr als Ersatz für einen alten, undichten Betonteich angelegt. Er ist jetzt schon dicht bevölkert mit verschiedenen Kaulquappen und Molchen.

Die drei Söhne von Léo-Paul Robert waren alle auch Künstler. Sein jüngster Sohn Paul-André Robert half dem Vater oft bei seinen Arbeiten. Er war Tierpräparator am Musée d'histoire naturelle de Neuchâtel. Für seinen Vater schoss und präparierte er Vögel. Damals ganz neu war die Präparation in einer möglichst naturgetreuen Art. Und so malte sie der Vater später auch auf über 400 Vogelbildern in ihrer natürlichen Umgebung.

Nach dem Tod seines Vaters zog Paul-André Robert mit seiner Familie ins Haus im Jorat. Sie bewohnten das Haus das ganze Jahr.
Damit die Familie finanziell über die Runden kam, malte Paul-André Robert Porträts, Landschafts- und religiöse Bilder. Aber am liebsten malte er Pilze, Blumen oder Libellen und Libellenlarven.

Um die Libellenlarven zu beobachten, hielt er diese in Wasserbehältern. Für die Fütterung mit Mückenlarven waren seine Kinder zuständig: zuerst die Libellenlarven füttern, dann erst gab es Nachtessen!

Auf dem Spaziergang geht es weiter an einem hübschen kleinen Häuschen für eine der Töchter von Paul-André Robert vorbei. Der Weg führt durch die Feuchtwiese, die extra künstlich angelegt wurde.
Die grossen schattigen Buchen stehen so dicht nebeneinander, dass die Stämme und Äste wie zu einem Netz zusammengewachsen sind. Die wunderschöne Aussicht über das Tal findet sich auch auf vielen Landschaftsbildern wieder.
Auf einem schmalen Pfad geht es durch das schattige Wäldchen am Hang zurück zum Haus.

Alte Buchen

Im Haus sehen wir das gemütliche Esszimmer mit Kachelofen und Fenstern auf drei Seiten, welches ursprünglich einmal als Atelier gedacht war. Doch die Familie und die Gästeschar wurden grösser und man brauchte den Platz.

Das richtige Künstleratelier begeistert durch das helle Licht, welches durch die Lichtkuppel im Dach hereinfällt.
Auch im Haus hat die grosse Liebe zur Natur Andenken hinterlassen: in einem Zimmer im oberen Stockwerk klebt an einem Deckenbalken ein altes Schwalbennest. So teilten sich Mensch und Vogelfamilie einen Sommer lang die Schlafstube.

Zum Schluss dürfen wir noch einmal unter den schattigen Birnbaum sitzen und werden von Emilie Burkhalter mit selbst gebackenem Rhabarberkuchen und Getränken verwöhnt.
An diesem warmen Nachmittag ist es hier so schön, dass es den Gästen fast ein wenig schwer fällt, wieder Abschied zu nehmen! Merci beaucoup!

Sie haben Lust bekommen, den Garten und das Haus Robert im Jorat zu besuchen? Kein Problem: jeden 1. Sonntag im Monat sind Garten und Haus von April bis Oktober für eine Besichtigung geöffnet. Für die Führung durch das Haus wird ein kleiner Eintrittspreis verlangt.

Weitere Informationen über das Haus Robert im Jorat sowie die Mietmöglichkeiten für einen Anlass: www.maisonrobert.ch Informationen über die Künstlerfamilie Robert: www.collection-robert.ch.