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Die Geschichte der Pfefferminze (Mentha piperita)

So kam die Pfefferminze zu ihrem lateinischen Namen

Über die Herkunft des Namens Mentha gibt es verschiedene Geschichten, suchen Sie sich die aus, die Ihnen am besten gefällt:

  • Der Gattungsname Mentha soll eine Entlehnung vom griechischen Minthe sein. Nach einer von Ovid übermittelten Sage ist die Nymphe Minthe, die Tochter des Kokytos, von Proserpina, der Unterweltsgöttin, in diese Pflanze verwandelt worden.
  • Einer Sage nach war Minthe eine Geliebte von Hades, dem Gott der Unterwelt, der, als seine Frau eifersüchtig wurde, seine Geliebte in eine duftende Pflanze, die Minze, verwandelte.
  • Die Nymphe namens Minthe, die Geliebte des Unterweltherrschers Hades, wurde von dessen Gattin Persephone getötet. Ihr Körper verwandelte sich darauf hin in die Minze.
  • Minthe war eine hübsche junge Nymphe. Hades, der Herrscher der Unterwelt, warf ein Auge auf sie. Als Persephone, seine Frau, seine Liebe zu Minthe entdeckte, wurde sie wütend und sie verwandelte Minthe in eine Kriechpflanze, welche mit Füssen getreten werden sollte. Hades konnte den Fluch Persephones nicht ungeschehen machen, aber er milderte das Schicksal von Minthe indem er der Pflanze einen wunderbaren Duft gab, der verströmte, wenn sie getreten wurde.
  • Hades, der Gott der Unterwelt, verliebte sich in Minthe, die Tochter des Flussgottes Kokytos. Das erregte den Zorn der Göttin Persephone. Diese tötete Minthe und zerriss sie in Stücke. Hades verstreute die Teile, aus denen dann Minzen hervorwuchsen, auf einem sonnigen Berg östlich von Pylos in Messenien.
  • Hades verliebte sich in die Nymphe Minthe. Seine Frau Persephone entdeckte die Liebschaft und liess ihre Wut an Minthe aus. Sie trampelte mit den Füssen auf ihr herum, aber Minthe verwandelte sich in eine Pflanze, die bei jedem Fusstritt einen wunderbaren Duft verströmte.
  • Der Gott der Unterwelt, Hades, verführte Minthe, die liebreizende Tochter des Unterweltflussgottes Kokytos, weil er nach dem Urteil des Göttervaters Zeus die Hälfte des Jahres ohne seine Frau Persephone, die er geraubt hatte, in der Unterwelt leben musste. Demeter, Göttin der Fruchtbarkeit und Schwiegermutter des Hades, wurde darüber so wütend, dass sie die schöne Minthe in Stücke riss und diese am Berg Pylos verstreute. Aus diesen erwuchs Unkraut. Hades, im Dauerzwist mit seiner Schwiegermutter und immer noch in Minthe verliebt, gab diesem Unkraut sein Glied, das daraufhin einen unbeschreiblich aromatischen, balsamischen Wohlgeruch annahm, der Menschen und Götter betört.

Ramses V

Die Pfefferminze in Ägypten

Obwohl im Mittelalter oft statt der Pfefferminze die Krauseminze (Mentha spicata) kultiviert und genutzt wurde, konnte aus Funden in altägyptischen Gräbern geschlossen werden, dass unsere Pfefferminze bereits um 1200-600 v.Chr. bekannt war. Die Ägypter legten dem toten Pharao Minze in den Sarkophag, zum Schutz für die Reise ins Jenseits.

Dioskurides

Die Minze bei Dioskurides

Im 1. Jahrhundert nach Christus schrieb Dioskurides in seiner Materia Medica (Cap. 36 (41) folgendes:
Gebaute Minze.
Mentha piperita (Labiatae) - Pfefferminze
Der Hedysomos - Einige nennen ihn auch Mintha oder Kalamintha (die Römer Mentha, auch Nepeta, die Aegypter Tis, andere Pherthrumonthu, Perxo, Makitho) - ist eine bekannte Pflanze mit erwärmender, adstringirender und austrocknender Kraft, daher stellt der Saft mit Essig getrunken den Blutauswurf. Er tödtet ferner die runden Würmer, reizt zum Liebesgenuss, bringt das Schlucken, den Brechreiz und die Cholera zur Ruhe, wenn zwei bis drei Reiser davon mit saurem Granatensaft genommen werden. Mit Graupen umgeschlagen zertheilt er Abscesse; auf die Stirn gelegt lindert er Kopfschmerzen, besänftigt geschwollene und (von Milch) strotzende Brüste. Mit Salz gibt er ein Kataplasma gegen Hundsbiss; der Saft mit Honigmeth stillt Ohrenschmerzen, den Weibern aber vor dem Beischlaf im Zäpfchen eingelegt behindert er die Empfängniss. Fein gerieben glättet er eine rauhe Zunge. Ferner bewahrt er die Milch vor dem Gerinnen, wenn die Blätter desselben in der Milch umgeschwenkt werden. Ueberhaupt ist er dem Magen zuträglich und eine gute Würze.

Plinius der Ältere

Plinius und die Minze

Und Plinius der Ältere beschrieb die Minze in Naturkunde ,Bd. XXI/XXII zur gleichen Zeit folgendermassen:
Der Genuss der frischen Minze erfrischt das Gemüt und ihr Genuss macht Appetit…. Geschwüre auf den Köpfen der Kinder heilt sie vortrefflich, trocknet feuchte Luftröhren und zieht trockene zusammen. Bösartigen Schleim reinigt sie…. Bei geschwollenen Zapfen gurgelt man sich damit….Sie leistet auch gute Dienste bei geschwollenen Mandeln…. Der Saft der frischen Minze, in die Nase eingezogen, heilt die Fehler dieses Organs, das Kraut selbst, zerrieben und mit Essig eingenommen, die Gallensucht… Bei Kopfweh legt man es auf die Schläfe… Von einem Pulver soviel in Wasser eingenommen, wie man mit 3 Fingern fassen kann, vertreibt die Magenschmerzen.

Die Minze in der Bibel

In der Bibel (Matthäus, Kapitel 23 Vers 23) steht:
Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr den Zehnten gebt von Minze, Dill und Kümmel und laßt das Wichtigste im Gesetz beiseite, nämlich das Recht, die Barmherzigkeit und den Glauben! Doch dies sollte man tun und jenes nicht lassen.

Minzen wachsen im Heiligen Land an Gräben, Wasserläufen und in Sümpfen, meistens die Rossminze (mentha longifolia). Sie war wohl in der Bibel gemeint.
Auch heute gehört die Minze zur jüdischen Küche.

Die Hebräer legten die Tempelböden mit Minze aus und später wurde dasselbe auch in italienischen Kirchen gemacht. Dort heisst die Pfefferminze Erba Santa Maria.

Die Pfefferminze zur römischen Zeit

Minze war ein Symbol der Gastfreundschaft. Ovid hat folgende Geschichte geschrieben:
Zwei Fremde wanderten durch ein Dorf. Die Dorfbewohner beachteten sie nicht und boten ihnen auch kein Essen oder Trinken an. Bis endlich ein altes Ehepaar, Philemon und Baucis, ihnen etwas zu Essen anboten. Bevor sie sich setzten, rieben sie den Tisch, ihn zu säubern und vom alten Essensgeruch zu befreien, mit Minzblättern ab. Es stellte sich heraus, dass die beiden Fremden, die Götter Zeus und Hermes waren. Als Dank für die Gastfreundschaft verwandelten sie die Hütte des Ehepaars in einen Tempel. So, sagt man sei die Minze zum Symbol für die Gastfreundschaft geworden.

Die Römer würzten auch Wein und Sauce mit Minze.
Griechen und Römer bestreuten bei Festen den Fussboden mit Minze, um mit dem Duft die Esslust der Gäste anzuregen. Der römische Schriftsteller Plinius (24 - 79 n. Chr.) berichtet, dass Griechen und Römer bei Trinkgelagen Kränze aus Minze um den Kopf trugen, um einem "Kater" vorzubeugen. Auch sollen sie die Tische mit Minze eingerieben haben, um die Fleischeslust anzuregen. Das Ausreissen der Pflanze aus der Erde galt als Frevel und brachte Unglück.

Den Frauen war es im alten Rom die ersten fünf Jahrhunderte nach seiner Gründung verboten, am Wein auch nur zu riechen geschweige denn davon zu trinken. Es heisst sogar, dass der Kuss eben in diesen Jahrhunderten der strengen Abstinenz in Rom entstanden ist. Es war den Männern des Hauses nämlich erlaubt, an den Lippen der Frauen zu riechen, ob sie Wein getrunken hatten oder nicht; ein Ehemann konnte seine Frau auch verstossen, wenn er entdeckte, dass seine Gefährtin sich dem Genuss des Weines hingegeben hatte.
Heimliche Trinkerinnen liessen sich davon aber nicht abhalten und verbesserten ihren Atem nach dem Weingenuss mit einer Paste aus Minze und Honig.

Mittelalter

Walafried Strabo, der Abt des Benediktinerklosters Reichenau schrieb im 9. Jahrhundert nach Christus folgendes über die Minze:
Nimmer fehle mir auch ein Vorrat gewöhnlicher Minze,
So verschieden nach Sorten und Arten, nach Farben und Kräften.
Eine nützliche Art soll die rauhe Stimme, so sagt man,
Wieder zu klarem Klang zurückzuführen vermögen,
Wenn ein Kranker, den häufige Heiserkeit quälend belästigt,
Trinkend einnimmt als Tee ihren Saft mit nüchternem Magen.
Noch eine Art dieser Pflanze, von mastigem Wuchs, ist vorhanden,
Die nicht mehr bloß eines kleinen Gewächses Schatten verbreitet,
Sondern nach Art des Holunders mit starkem Stengel emporstrebt,
Spreitet nach allen Seiten die großen Flügel der Blätter.
Anders ist ihr Geruch und ihr Saft etwas herber zu trinken.
Wen aber einer die Kräfte und Arten und Namen der Minze
Samt und sonders zu nennen vermöchte, so müßte er gleich auch
Wissen, wie viele Fische im Roten Meere wohl schwimmen,
Oder sie viele Funken Vulkanus, der Schmelzgott aus Lemnos,
Schickt in die Lüfte empor aus den riesigen Essen des Aetna.

Walahfridus Strabo, De cultura hortorum sive Hortulus - Abbildung von Mentha

Hildegard von Bingen (1098-1179) verordnete die Blätter zerstossen und als Pflaster übergelegt, gegen Geschwüre und Krätze, damit diese Plagegeister sterben und aufgrund der antiseptischen Wirkung der Minzblätter die Haut gereinigt wird.

Johannes Hartlieb (ca. 1400-1468), Leibarzt von Herzog Albrecht von Bayern, gab bereits den ersten Tip zu einer biologischen Schädlingsbekämpfung:
die myntzen hat auch dy art: wen man sy pflantzt zu andern kreutern und allermaist zu kol, do lat sy kain schedlich tier waxn, ... .

Im 18. Jahrhundert wurde die Minze vor allem wegen ihrer Heilwirkungen geschätzt. Man brauchte sie für oder gegen fast alles, von der Kolik, über Verdauungsstörungen bis zu Hundebissen.

Boston Tea Party 1773

Boston Tea Party

Die Kolonisten in der Neuen Welt brachten die Minze für Tees gegen Kopfschmerzen, Herzbrennen, Verdauungsstörungen und Schlaflosigkeit mit. Aber sie tranken den Tee auch zum Vergnügen, nicht nur weil er schmeckte, sondern auch weil er nicht besteuert wurde. Auf Schwarztee gab es nämlich lange Zeit hohe Zölle.
Bis im Jahre 1773 vom britischen Parlament, der Oberhohheit der Kolonien, der Tea Act beschlossen wurde. Dieses Gesetz sollte der East India Company aus einer finanziellen Krise helfen. Sie war wegen der hohen Teezölle auf ihren Waren sitzen geblieben und erhielt nun ein Monopol für alle Tee-Exporte zu den Kolonien und war von der Ausfuhr- und Einkommensteuer befreit. Der Tee wurde nur noch mit Schiffen der East India Company transportiert und von ihren eigenen Agenten verkauft.
Die Teehändler in den Kolonien weigerten sich, diesen Tee zu kaufen. Nur in Boston versuchte der Gouverneur Thomas Hutchinson die Gesetze einzuhalten. Der Tee, der sich an Bord drei Schiffe „Dartmouth“, „Eleanor“ und „Beaver“ befand, sollte gemäss den Gesetzen zur Verteilung kommen. Eine Gruppe Kolonisten um einen gewissen John Adams beschloss aber, den Tee zu vernichten. In der Nacht zum 16. Dezember 1773 marschierten 60 Männer, verkleidet als Indianer, zum Hafen hinunter. Begleitet wurden sie auch von vielen Bostoner Bürgern. Sie enterten die Schiffe, zerschlugen über 300 Kisten und warfen den Tee über Bord ins Wasser. Die Bostoner schauten schweigend zu. Der Schaden betrug über 10’000 Pfund.
Das war natürlich offene Rebellion gegen England. Diese Boston Tea Party verschärfte das Klima zwischen den Kolonien und dem Mutterland. Der Bostoner Hafen wurde daraufhin geschlossen. Drei Jahre später wurde daraus der Unabhängigkeitskrieg.

Mythologie

Im Aberglauben galt Minze als Schutz vor Behexung und Krankheit, Geldzauber.

Wegen des anregenden und zugleich lösenden Duftes wurde die Minze lange auch als Liebesmittel angesehen.
Jeder griechische Bräutigam bekränzte sich zur Hochzeit mit Minze. Sie war in der Antike das Symbol der leidenschaftlichen Liebe.

Von alten Seefahrern ist überliefert, dass sie Pfefferminze und Ingwer gegen die Seekrankheit nahmen. Auch wurde mit ihr in vergangenen Zeiten das Trinkwasser an Bord frischgehalten.

Pfefferminze für die Hausapotheke

Seit der Antike wird Pfefferminze (Mentha piperita) in China und Japan angebaut. Die Blätter sind als Räuchermittel sehr beliebt. Der Duft (auch von Duftlampen) reinigt und schärft den Geist, beruhigt die Nerven. Minze erheitert, wärmt das Herz, nimmt Ängste und bringt Ausgleich.

Minze wird auch bei Gedächtnisschwäche empfohlen und früher wandte man sie anstelle von Riechsalz bei Ohnmachtsanfällen und um die Lebensgeister zu wecken an. Mit ihrem frischen, scharf-kühlen Duft klärt sie die Luft und energetisiert sie. Minzenduft macht wach und soll sich gut zur Vorbereitung der Meditation eignen.

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